Auf einen Blick
- Der Spezifikationsbereich Ihres Produkts (etwa 2–8 °C) ist nicht Ihre Akzeptanzgrenze. Sie müssen enger messen, um belegen zu können, dass Sie innerhalb dieses Bereichs geblieben sind.
- Jeder Datenlogger hat eine MPE (Maximum Permissible Error): die maximale Abweichung, die der Hersteller über das gesamte Kalibrierintervall garantiert. Bei einem guten Logger liegt sie meist bei ±0,3 bis ±0,5 °C.
- Diese MPE ziehen Sie beidseitig vom Spezifikationsbereich ab. Das nennt man Guard Band. Übrig bleibt Ihre Akzeptanzgrenze für die Mapping-Studie.
- Für Ihre Alarmgrenzen nutzen Sie dasselbe Guard Band und rechnen zusätzlich einen Sicherheitszuschlag für die Reaktionszeit der technischen Abteilung ein.
- Halten Sie dieses Vorgehen explizit im Protokoll fest. Das ist das erste, was ein Auditor prüft.
Warum „2 bis 8 °C" nicht Ihre Akzeptanzgrenze ist
In vielen Protokollen steht „2–8 °C" als Akzeptanzkriterium. Ein paar Zeilen weiter unten findet sich eine Tabelle mit Loggern, deren Genauigkeit mit ±0,5 °C angegeben ist. Auf den ersten Blick passt das zusammen – doch die beiden Angaben widersprechen sich in Wahrheit. Ein Beispiel.
Angenommen, Ihr höchster gemessener Wert liegt bei 7,9 °C. Ihr Logger hat eine MPE von ±0,5 °C. Dann liegt die tatsächliche Temperatur irgendwo zwischen 7,4 und 8,4 °C. Anders gesagt: Sie wissen nicht mit Sicherheit, ob der Raum tatsächlich innerhalb von 2–8 °C geblieben ist. Die Messung lässt das offen. Eine solche Schlussfolgerung hält im Audit nicht stand.
Die Lösung besteht nicht zwangsläufig darin, einen teureren Logger anzuschaffen. Sie besteht darin, dass Sie vorab festlegen, wie Sie mit dieser MPE umgehen, und die Akzeptanzgrenze enger fassen als den Spezifikationsbereich. Genau darum geht es auf dem Rest dieser Seite.
Drei Begriffe, die häufig verwechselt werden
Bevor gerechnet wird, lohnt es sich, drei Größen sauber auseinanderzuhalten. Ihre Bezeichnungen klingen ähnlich, ihre Funktionen sind aber grundverschieden.
| Was | Wer legt es fest | Wofür es dient |
|---|---|---|
| Spezifikationsbereich (z. B. 2–8 °C) | Hersteller, Arzneibuch | Die Grenze, außerhalb derer das Produkt an Qualität verliert. |
| Akzeptanzgrenze (Mapping) | Sie, im Mapping-Protokoll | Bereich, in dem alle Messwerte liegen müssen, damit die Studie gültig ist. Enger als der Spezifikationsbereich – durch das Guard Band. |
| Alarmgrenze (Monitoring) | Sie, nach dem Mapping | Bei welchem Wert ein fester Monitoring-Sensor Alarm auslöst. Enger als die Mapping-Grenze durch einen zusätzlichen Sicherheitszuschlag für die Reaktionszeit. |
Der Rest dieser Seite behandelt die zweite Zeile: Wie kommen Sie vom Spezifikationsbereich zur Akzeptanzgrenze? Zum Schluss übertragen wir das auf die dritte Zeile.
Was ist MPE genau?
MPE steht für Maximum Permissible Error: die maximale Abweichung, die der Hersteller Ihrem Logger über das gesamte Kalibrierintervall (in der Regel 12 Monate) zusichert. Es handelt sich um einen Sammelwert: Alles, was die Messung verfälschen kann, ist darin enthalten. Kalibrierunsicherheit, Drift, Auflösung, Linearität – Sie bekommen eine einzige Zahl, und der Hersteller garantiert, dass der Logger innerhalb dieses Rahmens bleibt, sofern er rechtzeitig nachkalibriert wird.
Die MPE finden Sie im Datenblatt Ihres Loggers, manchmal unter „Genauigkeit" oder „Messgenauigkeit". Bei den meisten Datenloggern liegt sie zwischen ±0,1 °C (Referenzgeräte) und ±0,5 °C (Standardlogger für den GDP-Alltag).
Damit die MPE als Sammelwert genutzt werden darf, gilt eine wichtige Voraussetzung: Der Logger muss über einen Kalibrierschein verfügen, der auf ein anerkanntes nationales Normal rückführbar ist (etwa PTB, NIST oder ein vergleichbares nationales Metrologieinstitut), und die Kalibrierung muss noch gültig sein (in der Regel ≤ 12 Monate). Nur dann dürfen Sie die MPE als Grenze für Ihr Guard Band ansetzen. Ist die Kalibrierung älter oder fehlt die Rückführbarkeit, greift die Herstellergarantie nicht mehr und Sie müssen die einzelnen Beiträge separat aufstellen (siehe Wann Sie tiefer rechnen müssen).
Was ist ein Guard Band – in einfachen Worten?
Ein Guard Band ist nichts anderes als ein Sicherheitszuschlag, den Sie beidseitig von Ihrer Grenze abziehen. Denken Sie an die Autobahn: Wenn Sie den Tempomat exakt auf 130 stellen, Ihr Tacho aber um bis zu 5 km/h daneben liegen kann, fahren Sie zur Sicherheit mit 125. Diese 5 km/h sind Ihr Guard Band.
Beim Temperaturmapping sieht das so aus:
Akzeptanzgrenze (oben) = obere Spezifikationsgrenze − MPE Akzeptanzgrenze (unten) = untere Spezifikationsgrenze + MPE
Mehr ist es nicht. Die MPE aus dem Datenblatt ist Ihr Guard Band. Eine Subtraktion, fertig.
Rechenbeispiel: Akzeptanzgrenze berechnen
Zwei typische Situationen im direkten Vergleich, jeweils mit einem Logger von MPE ±0,5 °C. Das ist der Wert, dem man im Alltag am häufigsten begegnet.
Beispiel 1: Kühlraum 2–8 °C
Spezifikationsbereich 2 bis 8 °C, Logger mit MPE ±0,5 °C.
Akzeptanzgrenze (oben) = 8,0 − 0,5 = 7,5 °C Akzeptanzgrenze (unten) = 2,0 + 0,5 = 2,5 °C Ihre Akzeptanzgrenze liegt somit bei 2,50 bis 7,50 °C.
Ergebnis: Jeder Messwert muss zwischen 2,5 und 7,5 °C liegen, damit Sie belegen können, dass der Raum im Bereich 2–8 °C geblieben ist.
Beispiel 2: GDP-Lager 15–25 °C
Spezifikationsbereich 15 bis 25 °C, derselbe Logger mit MPE ±0,5 °C.
Akzeptanzgrenze (oben) = 25,0 − 0,5 = 24,5 °C Akzeptanzgrenze (unten) = 15,0 + 0,5 = 15,5 °C Ihre Akzeptanzgrenze liegt somit bei 15,50 bis 24,50 °C.
Ergebnis: Jeder Messwert muss zwischen 15,5 und 24,5 °C liegen. Genau so findet sich das Vorgehen in den meisten GDP-Lagerberichten wieder.
Vorlagentext für Ihr Protokoll
Alle Messwerte des Mappings müssen innerhalb von 2,50–7,50 °C liegen. Diese Grenzen werden aus dem Spezifikationsbereich 2–8 °C abgeleitet, reduziert um die MPE der eingesetzten Datenlogger (±0,50 °C) als Guard Band. Die MPE gilt über das gesamte Kalibrierintervall von 12 Monaten und umfasst Kalibrierunsicherheit, Drift und Auflösung. Alle Logger sind innerhalb von 360 Tagen vor dem Einsatz rückführbar kalibriert. Kurzfristige Ausschläge durch geplante Störungen (Türöffnungen, Abtauzyklen) werden separat gemäß §X.Y dieses Protokolls bewertet.
